[Korruption auf den Philippinen] HOW TO STAND UP TO A DICTATOR - Deutsche Ausgabe #16/128

Eines Abends begleitete ich sie zum Sender, wo sie am frühen Abend ihre Nachrichtensendung moderierte. Vor dem mit manuellen Schreibmaschinen ausgestatteten Arbeitsbereich in der Redaktion stand eine ganze Batterie Fernsehgeräte, die brüllend laut auf verschiedene Sender eingestellt waren. Auf der rechten Seite des Raums spuckte der Fernschreiber buchstäblich Geschichten aus. In der Luft lag ein schwacher Geruch von Zigarettenrauch.

Ich folgte Twink zum Studio. In den Gängen war es vollkommen dunkel. Nachdem die Gebäude während der Volksrevolution eingenommen worden waren, hatte man kaum Geld ausgegeben, um kaputte Fliesen oder Glühbirnen auszutauschen. Der Gestank von Urin durchdrang die Flure, in denen sich streunende Katzen tummelten.

Aber es gibt nichts Aufregenderes als eine Live-Nachrichtensendung im Fernsehen! Ich fand es toll, wie die verschiedenen Teams – von den Redakteuren in der Nachrichtenredaktion über die Skriptschreiber bis hin zu den Technikern und Kameraleuten – zusammenwirkten, um eine Live-Sendung in die Häuser der Menschen zu bringen. Manchmal wurden die Skripte erst Minuten vor oder sogar während der Ausstrahlung geschrieben. Ich war fasziniert davon, wie beschriebene Seiten zerrissen und den Moderatoren Sekunden vor der Ausstrahlung neu vorgelegt wurden, während andere Mitarbeiter gerade noch rechtzeitig zum Sendungsbeginn mit den Dreiviertelzoll-Videokassetten eintrafen, um sie in die U-matic-Geräte einzulegen, bevor der Regisseur »Kamera ab!« rief.

Wie das Schulorchester meiner Jugend war es eine Gruppe von Menschen, die gemeinsam Musik machten, nur, dass sie hier aktuelle Nachrichtensendungen produzierten, die eine enorme Wirkung entfalteten. Die Systeme, die an die Ausstrahlung von Eilmeldungen angepasst werden mussten, waren nur so effizient wie die Stärken und Schwächen der einzelnen Teammitglieder.

Twink stellte mir ihre Co-Moderatorin Betsy Enriquez vor, die erfahrenste Moderatorin des Senders. Die dritte Moderatorin war Judith Torres, eine ehemalige Sängerin, deren akzentfreies Englisch sich auch in einem klaren und deutlichen Schreibstil niederschlug, wie ich später feststellte. Damals ahnte ich noch nicht, wie sehr unsere Leben und Karrieren ineinandergreifen würden.

Da Twink auch die Spätnachrichten moderierte, wurde es zu einem fast täglichen Ritual, dass wir zwischen den Nachrichtensendungen gemeinsam zu Abend aßen. Der Leiter der 22-Uhr-Nachrichtensendung war ein grauhaariger Veteran, den zwar alle mochten, aber er schlief immer wieder im Regieraum ein. Ich war erstaunt, dass das Studioteam durchhielt. Obwohl ich noch nie eine Nachrichtensendung geleitet hatte, dachte ich, ich könnte es bestimmt besser als jemand, der schläft. Innerhalb weniger Wochen hatte ich die Manager von PTV4 überzeugt, mir die Leitung der Spätnachrichten zu übertragen.

Die Probleme der philippinischen Medienindustrie spiegelten jene der politischen und unternehmerischen Kultur des Landes wider. Dies gilt für jede Demokratie, die sich durch ihre Institutionen definiert, aber ganz besonders für eine Demokratie, die aus einer Diktatur hervorgegangen ist und deren Bevölkerung um die Schaffung einer demokratischen Kultur kämpft. Da das Überleben der Philippinen als Demokratie mit der Macht, der Transparenz und der Vertrauenswürdigkeit der Medien verbunden war, kam diesen somit eine herausragende Bedeutung zu. Ich erkannte rasch, dass ich im Journalismus mehr zur Entwicklung und zum Wohlergehen des Landes beitragen könnte als in jedem anderen Bereich. Heute haben wir das aus den Augen verloren – und die Plattformen der sozialen Medien haben ihr Bestes getan, diese einst allgemeingültigen Werte zu zerstören –, aber in den 1980er-Jahren war es eine anerkannte Tatsache, ein Fundament unserer gemeinsamen Realität, dass ohne guten Journalismus, ohne die solide Aufbereitung von Fakten und Informationen echte Demokratie nicht möglich war. Journalismus war eine Berufung.

Korruption galt als eines der größten Probleme auf den Philippinen. Es gab sie in der Regierung, in der Medienbranche und im täglichen Leben. Politiker und Polizisten missbrauchten ungestraft ihre Macht, Fernsehsender zensierten sich aus reinem Opportunismus selbst, Beamte verlangten Schmiergelder von einfachen Leuten. Was in den Medien geschah, geschah auch in jedem anderen Wirtschaftszweig auf den Philippinen; Beziehungen wurden über Fakten gestellt. Sogar Präsidentin Cory Aquino erklärte als Teil ihrer Philosophie, dass die Philippiner der Versöhnung untereinander den Vorzug vor der Vergeltung für die Marcos-Jahre geben sollten. Zu jener Zeit machte diese Haltung durchaus Sinn: Das Land musste sich von der Diktatur erholen.

Die Medien waren unter Marcos nicht nur lange Zeit staatlich kontrolliert gewesen, es gab auch eine eigene Tradition der Korruption oder, wie wir es damals nannten, des »Umschlagjournalismus«, was sich auf die Umschläge mit Geld bezog, die Organisatoren von Pressekonferenzen oft an teilnehmende Journalisten verteilten. Gute Journalisten lehnten den Umschlag ab, schwiegen aber über diejenigen, die ihn annahmen. Die meisten damals aktiven Journalisten gaben insgeheim zu, dass es in ihren Reihen zu Korruption kam, aber sie schauten weg. Schließlich, so die Überlegung, hatte der oder die Betreffende ja eine Familie zu ernähren. Die Journalisten, die Korruption aufdeckten, waren oft die Ersten, die angegriffen wurden. Das hat sich nicht geändert.

Auch die Studios und Sendeanlagen von PTV4 in Quezon City waren ein Brennpunkt der aktuellen philippinischen Geschichte, ein Symbol des demokratischen Wandels.



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