Die ältesten Schulden der Weltgeschichte/ The oldest debts in world history

Sie haben noch viele Jahre Laufzeit bei der Hypothek oder beim Autokredit? Im Vergleich zu den hartnäckigsten Finanzverbindlichkeiten der Geschichte sind Jahrzehnte ein Kinderspiel. Manche erstrecken sich über Hunderte von Jahren und überdauerten Kriege, Revolutionen und den Fall ganzer Nationen. Zum Teil stehen diese Schulden noch immer aus, andere wurden erst kürzlich beglichen und wieder andere verharren in einer rechtlichen Schwebe.

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Von Anleihen der Konföderation aus dem amerikanischen Bürgerkrieg bis zu niederländischen Schuldverschreibungen aus dem 17. Jahrhundert, auf die bis heute ausgezahlt wird – entdecken Sie die ältesten Schulden der Welt und ihre erstaunlichen Geschichten.

Russische Zarenanleihen

1918, ein Jahr nach dem Sturz des Zarenregimes, versetzte die neue bolschewistische Regierung der Weltwirtschaft einen Schock: Sie bediente die Auslandsschulden des Kaiserreichs nicht mehr und löschte damit Verpflichtungen in – aus heutiger Sicht – Billionenhöhe aus.

Das ehemalige Imperium hatte seine Kriege und die Industrialisierung des Landes über Anleihen finanziert, wobei Investoren in Frankreich und Großbritannien die Hauptgläubiger waren.

Nach jahrelangem Streit wurde 1986 eine Einigung mit britischen Anleihegläubigern erzielt. Doch die Summe belief sich auf lediglich zwei Prozent des geschätzten Wertes der Anleihen – und die Gläubiger aus Frankreich, die einen Großteil der Auslandsschulden des Zarenreichs hielten, schnitten noch schlechter ab:

Im Jahr 1997 stimmte Russland zu, Frankreich 400 Millionen US-Dollar zu zahlen, nur 0,2 Prozent des damals prognostizierten Anleihewertes von 200 Milliarden US-Dollar.

Deutsche Reparationen nach dem Ersten Weltkrieg

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Deutschland durch den Versailler Vertrag von 1919 verpflichtet, 132 Milliarden Goldmark als Reparationen zu zahlen, was heute mehr als 500 Milliarden US-Dollar (429 Milliarden Euro) entspricht. Dieser Schuldenberg führte zu einer enormen wirtschaftlichen Belastung und politischen Instabilität in Deutschland, die letztlich den Weg für den Aufstieg Hitlers und den Zweiten Weltkrieg ebnete.

Angesichts der wirtschaftlichen Turbulenzen in der Zeit der Weimarer Republik verlangsamten sich die Zahlungen und die Gesamtschuld wurde bis Ende der 1920er-Jahre auf 112 Milliarden Goldmark reduziert. Diese Zahlungen wurden auf der Lausanner Konferenz 1932 eingefroren und endeten formal, als die Nazis im folgenden Jahr an die Macht kamen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erklärte sich die Bundesrepublik bereit, die Rückzahlungen wieder aufzunehmen und verhandelte die Bedingungen im Rahmen des Londoner Schuldenabkommens von 1953 neu: Die Schulden wurden halbiert und ein Teil der Zinsen aufgeschoben, bis das Land wieder vereint sein würde. Bis 1980 war die Hauptschuld zurückgezahlt. Die aufgeschobenen Zinsen wurden nach der Wiedervereinigung 1990 wieder aktiviert.

Die letzte Rate in Höhe von 94 Millionen US-Dollar wurde 2010 am zwanzigsten Jahrestag der Wiedervereinigung gezahlt. Damit schloss Deutschland fast ein Jahrhundert nach dem Versailler Vertrag offiziell das Kapitel der Reparationszahlungen des Ersten Weltkriegs.

Während des Ersten Weltkriegs lieh sich Großbritannien zur Finanzierung seiner militärischen Ausgaben vier Milliarden US-Dollar von den USA. Doch nachdem die deutschen Reparationen mit der Lausanner Konferenz von 1932 einfroren worden waren, hörten viele Nationen auf, ihre Kriegsschulden zu begleichen. Großbritannien beglich nach der Konferenz zunächst noch einen kleinen Teil seiner Verpflichtungen. Ab 1934 wurde einfach gar nicht mehr gezahlt.

Die Schulden wurden nie offiziell gestrichen und das US-Finanzministerium hat sie nie offiziell erlassen.

Heute sind sie weitgehend in Vergessenheit geraten – und das britische Finanzministerium hofft sicher, dass sich das auch in Zeiten von Trump nicht ändert ...

Hukuang-Eisenbahnanleihen

Im Jahr 1911, kurz vor dem Zusammenbruch der Qing-Dynastie, gab die kaiserliche chinesische Regierung Anleihen zur Finanzierung der Hukuang-Eisenbahn aus und verkaufte sie an Investoren in den USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland. Die Republik China vergab später zusätzliche Anleihen, geriet aber in den 1930er-Jahren mit dem gesamten Paket in Zahlungsverzug.

Als die kommunistische Regierung 1949 an die Macht kam, wies sie jegliche Verantwortung für diese Anleihen von sich, da sie von korrupten vergangenen Regimen ausgegeben worden seien.

Laut US-Interessengruppen, die von Kongressmitgliedern unterstützt werden, seien die Schulden inzwischen auf 1,6 Billionen US-Dollar (1,4 Billionen Euro) angewachsen. Ihre Argumentation: Als Nachfolgerin der Republik China auf dem Festland müsse die Volksrepublik die Summe zurückzahlen. Wenig überraschend ist die Regierung in Peking anderer Meinung und US-Gerichte haben Klagen wegen der Anleihen mangels Zuständigkeit konsequent abgewiesen.

Kriegsanleihen der Konföderierten Staaten von Amerika

Während des amerikanischen Bürgerkriegs gaben die Konföderierten Staaten von Amerika Anleihen im Wert von heute Milliarden US-Dollar aus, um ihre Abspaltung zu finanzieren. Diese gingen hauptsächlich an britische Aristokraten, die das Vorhaben unterstützten.

Als die Konföderation 1865 zusammenbrach, weigerte sich die US-Regierung, diese Schulden anzuerkennen oder zu begleichen. Ein entsprechender Artikel in der amerikanischen Verfassung erklärt ausdrücklich, dass weder die USA als Ganzes noch ein einzelner Bundesstaat Verpflichtungen zurückzahlt, die zur Unterstützung eines Aufstands eingegangen wurden.

1924 setzte ein britisches Gericht den finalen Schlussstrich unter diese Bemühungen: Laut einem Artikel des Magazins „Time“ aus dieser Ära erklärte es die Anleihen für wertlos und sprach ihnen lediglich noch einen Souvenir-Wert zu.

Amerikas Schulden bei Spanien aus der Zeit der Revolution

Spanien spielte eine entscheidende, aber wenig bekannte Rolle in der Amerikanischen Revolution.

Die europäische Nation half, Großbritanniens militärische Macht in Nordamerika zu schwächen, indem sie das Land in Konflikte wie die Belagerung von Pensacola 1781 verwickelte. Spanien versorgte die dreizehn Kolonien auch mit dringend benötigten Waffen, Medikamenten und Truppen, ganz zu schweigen von Millionen Silberpesos. Doch Spaniens Großzügigkeit wurde nie zurückgezahlt.

Im März 2025 wurden in US-Medien Historiker zitiert, die diese vergessene Rechnung geschätzt auf heute astronomische zwölf Billionen US-Dollar (zehn Billionen Euro) beziffern, einschließlich Zinsen.

Da US-Präsident Trump Spanien nun aber wegen NATO-Zahlungen im Visier hat, könnte eine sanfte Erinnerung an diese alten amerikanischen Schulden angebracht sein ...

Niederländische Wasserverbandsanleihen

Die ältesten bekannten Schulden der Welt stammen aus dem Jahr 1624, als der niederländische Wasserverband Lekdijk Bovendams eine ewige Anleihe an eine gewisse Elsken Jorisdochter ausgab. Damit sollten Verbesserungen am Deichsystem finanziert werden. Obwohl es über vier Jahrhunderte alt ist, wirft das Schuldinstrument weiterhin 2,5 Prozent Zinsen pro Jahr ab, wobei die jährliche Rendite von rund 16 US-Dollar (14 Euro) bescheiden ist.

Die während des Goldenen Zeitalters der Niederlande ausgegebene Anleihe stellt eines der frühesten Beispiele eines Kreditsystems dar, das Zinsen auf unbegrenzte Zeit versprach.

Ich zitierte aus folgendem interessanten Artikel...

https://de.finance.yahoo.com/nachrichten/%C3%A4ltesten-schulden-weltgeschichte-heute-r%C3%BCckzahlung-070000451.html?guccounter=1

Mein persönliches Fazit:

Diese historischen Kredite zeigen mir das die Welt stark untereinander verschuldet ist und deswegen soviel Geld existiert. Denn falls du es noch nicht wusstet: es existiert immer genauso viel Geld wie es Schulden gibt. Der Wert von Aktien,Gold oder Bitcoin ist nur ein Teil von unseren Schulgeldsystem. Und dies wird sich auch nicht in naher Zukunft ändern.

Preise steigen eben nur weil alles in irgendeiner Form von Schulden gemessen wird. 😉


English

Do you still have many years left on your mortgage or car loan? Compared to the most persistent financial liabilities in history, decades are child's play. Some stretch across hundreds of years, surviving wars, revolutions, and the fall of entire nations. Some of these debts are still outstanding, others were recently settled, and still others remain in legal limbo.

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From Confederate bonds issued during the American Civil War to 17th-century Dutch promissory notes still being paid out today, discover the world's oldest debts and their astonishing stories.

From Confederate bonds issued during the American Civil War to 17th-century Dutch promissory notes still being paid out today, discover the world's oldest debts and their amazing stories.

Russian Tsarist Bonds

In 1918, a year after the fall of the Tsarist regime, the new Bolshevik government shocked the global economy by defaulting on the empire's foreign debt, thus wiping out liabilities amounting to trillions of dollars by today's standards.

The former empire had financed its wars and the country's industrialization through bonds, with investors in France and Great Britain being the main creditors.

After years of dispute, an agreement was reached with British bondholders in 1986. However, the sum amounted to only two percent of the estimated value of the bonds—and the French creditors, who held a large portion of the Tsarist empire's foreign debt, fared even worse:

In 1997, Russia agreed to pay France $400 million, a mere 0.2 percent of the then-projected bond value of $200 billion.

German Reparations After World War I

After World War I, Germany was obligated by the 1919 Treaty of Versailles to pay 132 billion gold marks in reparations, equivalent to more than 500 billion US dollars (429 billion euros) today. This mountain of debt led to enormous economic strain and political instability in Germany, ultimately paving the way for Hitler's rise to power and World War II.

Given the economic turmoil of the Weimar Republic, the payments slowed, and the total debt was reduced to 112 billion gold marks by the end of the 1920s. These payments were frozen at the Lausanne Conference in 1932 and formally ended when the Nazis came to power the following year.

In light of the economic turmoil of the Weimar Republic, the payments slowed, and the total debt was reduced to 112 billion gold marks by the end of the 1920s. After World War II, the Federal Republic of Germany agreed to resume repayments and renegotiated the terms under the London Debt Agreement of 1953: The debt was halved, and a portion of the interest was deferred until the country was reunited. By 1980, the principal debt had been repaid. The deferred interest payments were reinstated after reunification in 1990.

The final installment of US$94 million was paid in 2010, on the twentieth anniversary of reunification. With this payment, Germany officially closed the chapter on World War I reparations almost a century after the Treaty of Versailles.

During World War I, Great Britain borrowed US$4 billion from the United States to finance its military expenditures. However, after German reparations were frozen at the Lausanne Conference of 1932, many nations ceased paying their war debts. Following the conference, Great Britain initially continued to pay a small portion of its obligations. From 1934 onward, payments simply ceased altogether.

The debts were never officially canceled, and the US Treasury Department never officially forgave them.

Today, they have largely faded into obscurity—and the British Treasury surely hopes that this won't change, even under Trump...

Hukuang Railway Bonds

In 1911, shortly before the collapse of the Qing Dynasty, the imperial Chinese government issued bonds to finance the Hukuang Railway and sold them to investors in the US, Great Britain, France, and Germany. The Republic of China later issued additional bonds but defaulted on the entire package in the 1930s.

When the communist government came to power in 1949, it denied any responsibility for these bonds, claiming they had been issued by corrupt past regimes.

According to US lobby groups supported by members of Congress, the debts have now ballooned to $1.6 trillion (€1.4 trillion). Their argument: As the successor to the Republic of China on the mainland, the People's Republic must repay the sum. Unsurprisingly, the government in Beijing disagrees, and US courts have dismissed lawsuits concerning the bonds due to lack of jurisdiction.Independence consistently rejected.

Confederate States of America War Bonds

During the American Civil War, the Confederate States of America issued bonds worth billions of US dollars today to finance their secession. These bonds were primarily issued to British aristocrats who supported the cause.

When the Confederacy collapsed in 1865, the US government refused to acknowledge or repay these debts. A corresponding article in the US Constitution explicitly states that neither the US as a whole nor any individual state will repay obligations incurred in support of an insurrection.

In 1924, a British court put a final end to these efforts: According to an article in Time magazine from that era, it declared the bonds worthless, assigning them only souvenir value.

America's Debt to Spain from the Revolutionary Era

Spain played a crucial, yet little-known, role in the American Revolution.

The European nation helped weaken Great Britain's military power in North America by drawing the country into conflicts such as the Siege of Pensacola in 1781. Spain also supplied the thirteen colonies with much-needed weapons, medicine, and troops, not to mention millions of silver pesos. Yet Spain's generosity was never repaid.

In March 2025, US media quoted historians who estimated this forgotten bill at an astronomical twelve trillion US dollars (ten trillion euros) today, including interest.

With US President Trump now targeting Spain over NATO payments, a gentle reminder of these old American debts might be appropriate...

Dutch Water Board Bonds

The oldest known debt in the world dates back to 1624, when the Dutch water board Lekdijk Bovendams issued a perpetual loan to a certain Elsken Jorisdochter. The loan was intended to finance improvements to the dike system. Although over four centuries old, this debt instrument still yields 2.5 percent interest per year, with a modest annual return of around US$16 (€14).

Issued during the Dutch Golden Age, this bond represents one of the earliest examples of a credit system that promised interest indefinitely.

I quoted from the following interesting article...

https://de.finance.yahoo.com/nachrichten/%C3%A4ltesten-schulden-weltgeschichte-heute-r%C3%BCckzahlung-070000451.html?guccounter=1

My personal conclusion:

These historical loans demonstrate to me that the world is heavily indebted to one another, which is why so much money exists. Because, in case you didn't know: there is always as much money as there is debt. The value of stocks, gold, or Bitcoin is just one part of our monetary system. And this isn't going to change anytime soon.

Prices only rise because everything is measured in terms of debt. 😉

Posted Using INLEO



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This is a great explanation on how debt works in the wider scale

!BBH

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Agree, the bigger the debt of the country has the more it contributes to the inflation of prices

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Ja unser schönes Finanzsystem.
Wenn die Leute es verstünden gäbe es eine Revolution vor morgen früh, soll Henry Ford einmal gesagt haben, wobei diese Überlieferung auch umstritten ist.

In den seltenen Fällen an denen ich mal in meinem Bekanntenkreis über Finanzen spreche ist meistens eigentlich ganz schnell wieder Schluss, nämlich dann wenn FIAT zur Sprache kommt und 90% glauben ich spreche von einer Automarke. 😅

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Ja das Thema Geld verstehen die meisten nicht. Auch nicht warum etwas im Preis steigt. Und mir auch aufgefallen das es auch keiner verstehen will selbst wenn ich versuche es zu erklären.

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Naja, es wird ihnen ja jeden Tag von der Politik und den Medien erklärt wer und was alles Schuld ist warum die Preise steigen, wieso sollten sie dann dir zuhören? 😉

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Stimmt es sind immer die Reichen, Kapitalisten oder die die es werden wollen Schuld.

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